Synoptische Übersicht - Mittelfrist

ausgegeben am Samstag, den 17.08.2019 um 10.30 UTC



Zunächst Stark- bzw. Dauerregen sowie starke Gewitter im Süden. Im Verlauf Wetterberuhigung, im Küstenumfeld leicht unbeständig, am Wochenende an den Alpen und im Schwarzwald zunehmende Schauer- und Gewitterneigung.

Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 24.08.2019

Zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums am Dienstag dominiert ein ausgeprägter Langwellentrog das Wetter in Nord-, West- und Mitteleuropa. Auf der Südflanke werden dabei wiederholt kurzwellige Anteile ostwärts geführt. Deutschland liegt am Dienstag weiter auf der Vorderseite eines Kurzwellentroges, dessen Achse sich jedoch zunehmend von Westen nähert und in der Nacht zum Mittwoch ostwärts überquert. In die südwestliche Strömung ist bis Mittwochnacht im Bodenniveau eine Luftmassengrenze eingebettet, die in der Südosthälfte weiter für teils kräftige, konvektive durchsetze Niederschläge sorgt. Erst mit durchschwenken des Troges wird das Frontensystem samt Niederschläge nach Südosten und Osten abgedrängt. Am Boden kann von Frankreich her gleichzeitig das Azorenhoch weiter nach Osten vorstoßen.

Am Mittwoch liegt Deutschland weiter im Bereich des breiten Langwellentroges, der sich nach Süden bis zum nördlichen Mittelmeerraum erstreckt und vom Atlantik bis ins östliche Mitteleuropa zunehmend zonale Strömungsverhältnisse zeigt. Im Detail schwenkt am Mittwoch ein schwacher Rücken mit seiner Achse über Deutschland hinweg. Zusammen mit Hochdruckeinfluss im Bodenniveau sorgt dieser von Westen für Wetterberuhigung.

Am Donnerstag gelangt das Land erneut in den Einflussbereich eines schwachen Kurzwellentroges, der am Boden mit einer Kaltfront korreliert. Nach den neusten Berechnungen wird jedoch nur im Norden ausreichend Hebung generiert, sodass die Kaltfront mit Ausnahme des Nordens weitgehend wetterinaktiv das Land passieren soll.

Ab Freitag beginnt sich über dem Ostatlantik ein Höhentief nach Süden zu verlagern, sodass die Struktur des Langwellentroges kippt. Die Verkürzung der Wellenlänge über dem Ostatlantik und die gleichzeitige Amplifizierung nach Süden stützt vorderseitig das Aufbäumen eines Rückens, der sich seinerseits bis in den Norden Norwegens ausdehnt. Die Achse des Rückens liegt dabei am Sonntag etwa über Deutschlands. Im Bodenniveau korreliert der Rücken am Wochenende mit einem Hochdruckgebiet, das sich von Skandinavien bis nach Polen erstreckt. Vorderseitig des Troges kann sich am Boden, ausgehend vom Meeresgebiet nördlich von Irland bis nach Südfrankreich, eine Tiefdruckzone ausbilden. In Deutschland würden in Bodennähe zwischen den beiden Luftdruckgebilden demnach östliche bis südöstliche Winde vorherrschen, mit denen nochmals sehr warme bis heiße Luft nach Deutschland transportiert gelangt.

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz des aktuellen 00 UTC Laufes des IFS ist zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums am Dienstag als gut zu bezeichnen. Ab Mittwoch ergeben sich jedoch schon signifikante Unterschiede zu den beiden Vorläufen. So will der aktuelle 00 UTC-Lauf nichts mehr von dem Randtrog wissen, der sich zuvor über der iberischen Halbinsel amplifizieren und ostwärts gesteuert werden sollte. Während der heutige 00 UTC Lauf eine recht glatte, nur von wenigen kurzwelligen Anteilen durchsetze zonale Strömung vom Atlantik bis nach Osteuropa zeigt, war in den Vorläufen entweder ein ausgeprägter Trog oder sogar ein CutOff über dem nördlichen Mittelmeerraum im Spiel. Die Veränderungen machen sich schließlich auch im Bodendruckfeld bemerkbar, indem der aktuelle Lauf eine Hochdruckzone vom Atlantik bis nach Russland zeigt, die lediglich im Bereich der Nordsee durch ein Tief leicht zyklonal geprägt ist. Entsprechend werden in den neusten Berechnungen Niederschläge nur für den Norden des Landes simuliert, während der gestrige IFS-Lauf diese noch bis in den Süden zeigte. Die neuen Strukturen führen zudem dazu, dass das Vorankommen eines nachstoßenden Troges inklusive Bodentief zum Wochenende ausgebremst wird, sodass das Wochenende abgesehen von einer gewissen Gewittergefahr an den Alpen und im Schwarzwald derzeit wohl trocken und sehr warm bis heiß verlaufen dürfte.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums zeigen auch die Globalmodelle anderer Wetterdienste (GFS, ICON, GEM) bis Mittwoch vergleichbare Geopotential- und Luftdruckstrukturen. Im weiteren Verlauf weichen GFS und ICON deutlich von den neusten Interpretationen des IFS ab und verfolgen weiter die Strukturen, die das IFS in den gestrigen Läufen zeigte. Während das IFS von der Amplifizierung eines Kurzwellentroges teils bis hin zur Abschnürung nichts mehr wissen möchte, behaaren ICON und GFS auf diese Entwicklung. Zum Wochenende nähert sich das GFS allmählich wieder dem IFS an, indem es auch den weit nach Süden ausdehnenden Kurzwellentrog über dem Ostatlantik sowie ein Höhenhoch über Dänemark wiedergibt. Beim ICON gibt es für eine Meridionalisierung der Strömung keine Spur. Stattdessen wird vom Atlantik her der Langwellentrog wiederholt regeneriert und kurzwellige Anteile ostwärts gesteuert. Aufgrund der Randtrogentwicklung bis hin zur Abschnürung über dem nördlichen Mittelmeerraum beim ICON und GFS ändert sich auch die Niederschlagsverteilung. Während bei der relativ glatten zonalen Strömung beim IFS der Norden am Donnerstag und Freitag schauerartige Niederschläge erwarten darf, dringen beim ICON und GFS die Hebungsprozesse der kurzwelligen Anteile nicht bis nach Deutschland vor, sodass auch im Norden kaum Niederschläge auftreten. Dafür wird im Alpenraum nahezu durchgehend eine gewisse Schauer- und Gewitteraktivität gezeigt. Das GEM zeigt über dem gesamten mittelfristigen Zeitraum zum IFS vergleichbare Strukturen und stützt somit die neusten Berechnungen.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Die Rauchfahnen ausgewählter Deutscher Städte zeigen im mittelfristigen Zeitraum eine unterschiedliche Vorhersagegüte. Während die Städte im Norden bis einschließlich Donnerstag bei einem geringen Spread der Modellläufe eine gute, teils sehr gute Vorhersagegüte zeigen, gibt es weiter nach Süden schon ab Dienstag größere Varianzen. Zwar tummeln sich die meisten Member zumindest bis einschließlich Mittwoch noch im gleichen Temperatur- und Geopotentialniveau, mehrere Ausreißer zu wärmeren Temperaturverhältnissen spreizen jedoch den Ensemble-Raum.Ab Donnerstag nehmen die Unsicherheiten in der Südhälfte weiter zu, wobei eine Vorhersage aufgrund der Verteilung der Member, vor allem bezüglich der Temperatur, kaum noch möglich scheint. Auch Kontroll- und Hauptlauf verlaufen bezüglich der Temperaturen nun auseinander, wobei sich der Hauptlauf am oberen Rand des Ensembles befindet. Am Freitag ist schließlich auch im Norden keine eindeutige Vorhersagelösung mehr feststellbar. Der Spread steigert sich von 5 Grad am Donnerstag auf etwa 12 Grad am Sonntag. Auch beim Geopotential nehmen die Member mit Trend zu tieferen Werten ab Donnerstag stark zu, wobei die größte Drängung bis Sonntag bei höherem Geopotential zu verzeichnen ist.

Die Meteogramme stützen die Rauchfahnen, indem sich die Box-Plots nach Süden zu schon ab Dienstag aufspannen. Im Norden steigern sich die Unsicherheiten bei der Temperatur analog zu den Rauchfahnen erst ab Donnerstag. Auch beim Wind sind ähnliche Veränderungen zu erkennen. Bei den Niederschlägen zeigt sich die Variabilität vor allem bei den Städten im Norden, wo von Dienstag bis Sonntag das Potential für signifikante Niederschläge durch einzelne Member wiedergegeben wird.

Die Clusteranalyse bestimmt für die Variabilität der Geopotential- und Luftdruckstrukturen im Zeitraum +72 bis +96h insgesamt drei Cluster, die alle in das Schema einer positiven NAO eingeordnet werden können und somit über dem Atlantik und Westeuropa eine überwiegend zonale Strömung zeigen. Die Unterschiede zwischen den Lösungen sind gering und beschränken sich meist auf die Ausprägung der kurzwelligen Anteile.

Im Zeitraum +120 bis +168h beschreiben vier Cluster die Abweichungen der großskaligen Strukturen. Dabei wechseln alle Cluster von einer positiven NAO zu blockierenden Verhältnissen. Bis Samstag wird die zonale Strömung bei allen Clustern komplett aufgebrochen und von meridionalen Verhältnissen abgelöst. Die Unterschiede zwischen den Lösungen sind bei der Lage der Trog-Rücken-Struktur sowie deren Intensität zu finden. Bei Cluster 1, das den Kontroll- und den Hauptlauf sowie 21 Member enthält, bäumt sich der Rücken über der Nordsee nach Norden auf, während der Kurzwellentrog sich über dem Ostatlantik nach Süden amplifiziert. Bei Cluster 2 mit 16 Modellläufen sind die Strukturen weniger meridional geprägt, da der Trog auf dem Atlantik nicht so markant daherkommt und sich weniger weit nach Süden ausdehnt. Der Rücken ist dabei breiter aufgestellt und liegt direkt über Deutschland. Cluster 3 und Cluster 4 sind mit jeweils 7 Lösungen unterpräsentiert. Während Cluster 4 zu Cluster 1 vergleichbare Strukturen zeigt, allerdings mit einem intensiveren Höhentief auf dem Atlantik, simulieren die Läufe in Cluster 3 den Rücken ausgehend von den Britischen Inseln nordwärts mit eigenständigem, kräftigen Höhenhoch westlich von Norwegen. Deutschland würde bei dieser Lösung im Bereich eines schwachen Troges hin zu unbeständigen Witterungsbedingungen liegen.

In der erweiterten Mittelfrist von +192 bis 240h wird die Geopotential- und Luftdruckvariabilität im Ensemble-Raum in drei Cluster aufgeteilt, die alle weiterhin dem Schema Blocking zuzuordnen sind. Im Detail unterscheiden sich die Cluster jedoch signifikant. Die Verlagerung der Trog-Rücken-Struktur sowie auch die Intensität der Druckgebilde und mögliche Abschnürungsprozesse lassen bei gleichverteilten Membern (17 Mitglieder pro Cluster) keine vernünftige Vorhersage zu.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Der EFI zeigt zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums am Dienstag noch ein Signal für überdurchschnittliche Regenmengen im Süden des Landes. Im weiteren Verlauf gibt es keine Hinweise auf mögliche Extreme.

Auch aus Sicht der probabilistischen Produkte EZ-EPS, C-LEPS und ICON-EPS werden mit Wahrscheinlichkeiten zwischen 5 und 45% Stark- bzw. Dauerniederschläge mit 24-stündige-Mengen über 30 mm gestützt. Die höchsten Werte zeigt das EZ-EPS. Dabei wird der Schwerpunkte modellübergreifend vom Allgäu bis zum Berchtesgadener Land gesehen. Mit Wahrscheinlichkeiten zwischen 5 und 25% sind auch die Regionen von der Ostalb bis zur Lausitz bezüglich Regensummen über 30 mm bedacht. Werte bis 20% für Regenmengen über 50 mm in 24 Stunden sind bevorzugt vom Allgäu bis zur Ostalb zu verzeichnen.

Basis für Mittelfristvorhersage EZ-EPS



VBZ Offenbach / Dipl.Met. Lars Kirchhübel